Biodiversität
Biodiversität steht für die Vielfalt des Lebens – von Tieren und Pflanzen über Mikroorganismen bis hin zu ganzen Ökosystemen. Sie ist die Grundlage für gesunde Böden, sauberes Wasser, fruchtbare Landwirtschaft und stabile Klimabedingungen. Sie macht zudem Lebensräume widerstands- und anpassungsfähig, erhält Ökosystemfunktionen und versorgt uns so mit überlebenswichtigen Ressourcen für die Herstellung von Lebensmitteln.
Gleichzeitig ist die Landwirtschaft einer der Hauptgründe für Biodiversitätsverlust. Der weltweit zu beobachtende Rückgang der biologischen Vielfalt ist alarmierend und führt durch den Verlust an Lebensräumen, Arten und Genen zu einer Verarmung der Natur. Das hat nicht nur Folgen für die Natur, sondern auch für uns Menschen – und damit auch für Unternehmen wie den EDEKA-Verbund. Der Schutz der Biodiversität ist daher eine zentrale Aufgabe, der wir uns mit Verantwortung und konkreten Maßnahmen stellen.
Der EDEKA-Verbund setzt sich gemeinsam mit dem WWF dafür ein, biologische Vielfalt zu bewahren – sei es in der Landwirtschaft, im Meer oder vereinfach gesagt entlang der gesamten Lieferkette. Nachfolgend finden sich Beispiele unserer Maßnahmen sowie die wichtigsten Informationen zu unseren Zielen und unserem Engagement.
Herausforderungen für die biologische Vielfalt in den Meeren
Marine und küstennahe Ökosysteme sind Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und übernehmen wichtige ökologische Funktionen. Gleichzeitig stehen viele marine Lebensräume und Fischbestände unter Druck. Zu den Ursachen zählen unter anderem Überfischung, unbeabsichtigte Beifänge, die Zerstörung von Lebensräumen, Umweltverschmutzung sowie die Auswirkungen des Klimawandels. Diese Faktoren können die Stabilität von Ökosystemen beeinträchtigen und den Erhalt der biologischen Vielfalt erschweren.
Als Lebensmittelhändler ist EDEKA auf natürliche Ressourcen und funktionierende Ökosysteme angewiesen. Deshalb gelten bei unseren Fisch- und Meeresfrüchteprodukten definierte Beschaffungskriterien. Außerdem arbeiten wir gemeinsam mit dem WWF daran, die Anforderungen an die Eigenmarkensortimente kontinuierlich weiterzuentwickeln. Für neue Eigenmarkenprodukte rund um Fisch und Meeresfrüchte gibt es Einkaufsanforderungen, die unter anderem Bewertungen des WWF-Fischratgebers berücksichtigen. Der WWF-Fischratgeber bewertet unter anderem den Zustand von Fischbeständen sowie die Auswirkungen von Fang- und Produktionsmethoden auf marine Ökosysteme und adressiert damit zentrale Aspekte des Schutzes der biologischen Vielfalt in den Meeren. Ergänzend werden anerkannte Zertifizierungen wie MSC, ASC, GLOBALG.A.P. und Bio-Zertifizierungen berücksichtigt, deren Standards Anforderungen an die Bewirtschaftung von Fischbeständen bzw. Aquakulturen sowie an den Umgang mit Umwelt- und Ressourcenrisiken entlang der Lieferkette enthalten.
Biodiversität an Land: Schutz für unsere Wälder und ihre Artenvielfalt
Natürliche Lebensräume erhalten
Wälder gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Welt. 80 Prozent aller an Land lebenden Pflanzen und Tiere sind dort zu Hause. Vor allem in tropischen Regionen leben zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, die auf ein funktionierendes Ökosystem angewiesen sind. Obwohl sie nur 7 Prozent der nutzbaren Erdlandfläche bedecken, leben dort 50 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten.
Zu den wesentlichen globalen Treibern von Entwaldung und Walddegradierung zählt die Holzwirtschaft. Weltweit hat sich der Netto-Waldverlust in den vergangenen Jahren durch Aufforstung, neue Forstplantagen und politische sowie gesetzgeberische Interventionen zwar verlangsamt, doch die Entwaldungsrate sowohl in tropischen als auch subtropischen Ländern mit kommerzieller Landwirtschaft ist nach wie vor hoch. Darüber hinaus trägt der Anbau landwirtschaftlicher Rohstoffe wie Soja, Ölpalme, Kaffee, Kakao und Rindfleisch weltweit zur Entwaldung und Umwandlung natürlicher Ökosysteme bei, da häufig Wälder und natürliche Ökosysteme für die landwirtschaftliche Nutzung erschlossen und bestehende landwirtschaftliche Flächen auf natürliche Ökosysteme ausgeweitet werden.
Um neben der Entwaldung und Walddegradierung auch die Umwandlung von Nicht-Wald- Ökosystemen wie Savannen, Grasland, Feucht- und Torfgebieten in den Lieferketten von EDEKA-Eigenmarken langfristig ausschließen zu können, hat sich die EDEKA ZENTRALE Stiftung & Co. KG inklusive Netto Marken-Discount ein ambitioniertes Ziel gesetzt und dieses im Rahmen einer Selbstverpflichtung veröffentlicht. Mit unserer Selbstverpflichtung gehen wir über die Anforderungen der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR) hinaus, da wir nicht nur den Schutz von Wäldern adressieren, sondern auch weitere natürliche Ökosysteme in unser Engagement einbeziehen.
Der Schutz von Wäldern und natürlichen Ökosystemen wie Savannen, Grasländer, Feucht- und Torfgebieten ist für die Biodiversität von zentraler Bedeutung: Diese Ökosysteme bieten auf diese Systeme spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, erhalten ökologische Vernetzungsräume und tragen zur Stabilität natürlicher Prozesse wie Bestäubung, Wasserregulierung und Bodenfruchtbarkeit bei. Werden sie in landwirtschaftliche Nutzflächen oder andere Landnutzungen umgewandelt, gehen nicht nur einzelne Lebensräume verloren, auch Populationen werden fragmentiert, Artenzusammensetzungen verändern sich und die Widerstandsfähigkeit ganzer Landschaften gegenüber Klima- und Umweltveränderungen nimmt ab. Außerdem speichern Wälder und weitere natürliche Ökosysteme große Mengen Kohlenstoff. Es können erhebliche Treibhausgasemissionen freigesetzt und natürliche Kohlenstoffsenken dauerhaft geschwächt werden, wenn diese Ökosysteme in landwirtschaftliche Nutzflächen oder andere Landnutzungen umgewandelt werden. Der Schutz vor Entwaldung und Umwandlung natürlicher Ökosysteme ist daher sowohl zum Erhalt der Biodiversität als auch zur Vermeidung klimarelevanter Emissionen in vorgelagerten Lieferketten von zentraler Bedeutung.
Beispiel Palmölproduktion verdrängt Lebensräume
Der großflächige Anbau von Ölpalmen (etwa in Malaysia und Indonesien) trägt durch riesige Monokulturen entscheidend zum Artensterben bei. Denn die Etablierung solcher Plantagen geschieht oftmals auf Kosten von Naturwäldern und damit auch auf Kosten der dort einst lebenden Arten. Aber nicht nur die Umwandlung von Naturwald in Ölpalmplantagen verringert den Lebensraum von Tieren, wie z.B. dem Sumatra-Tiger, sondern die neuen Plantagen bieten auch wenig Lebensraum für neue Arten.
Die starke Nachfrage nach Palmöl lässt sich durch den lukrativen Ertrag der Ölpalme erklären, da sie durch den Anbau auf vergleichsweise geringer Fläche einen Großteil des weltweiten Bedarfs an Pflanzenölen deckt. Zugleich bieten sich für Palmöl und daraus hergestellten Erzeugnissen aufgrund der vielseitigen Verarbeitungseigenschaften zahlreiche Einsatzgebiete – diese reichen von der Verwendung in Lebens- und Futtermitteln über den Einsatz in Wasch-/ Putzmitteln und Drogerieartikeln bis hin zur Nutzung in Kraftstoffen.
EDEKA fördert einen sozial- und umweltverträglicheren Anbau der Ölpalme und hat bereits im Jahr 2012 damit begonnen, palmbasierte Rohstoffe in Eigenmarkenartikeln auf RSPO-zertifizierte Ware umzustellen. Darüber hinaus engagiert EDEKA sich im Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) und unterstützt gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des Forums ein neues Kleinbauernprojekt in Johor, Malaysia, das im April 2025 gestartet ist und bis März 2027 läuft (Mitgliederprojekt Malaysia 2026 - Forum Nachhaltiges Palmöl). In Kooperation mit der gemeinnützigen Organisation Wild Asia sollen Kleinerzeugende über den sogenannten SPIRAL-Ansatz[1] dabei unterstützt werden, naturverträglichere Palmöl-Lieferketten aufzubauen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Verbesserung der Rückverfolgbarkeit, der Zugang zur RSPO-Zertifizierung über sogenannte das Wild Asia Group Scheme sowie die Erprobung regenerativer Anbaumethoden auf Demonstrationsflächen.
Regenerative Anbaumethoden können sich positiv auf die Biodiversität auswirken, indem sie die Bodengesundheit fördern, den Einsatz chemisch-synthetischer Betriebsmittel verringern und die natürlichen Funktionen der Anbauflächen stärken. Damit werden Lebensräume für nützliche Insekten und andere Arten unterstützt und kleinbäuerliche Betriebe befähigt, Palmöl langfristig klima- und biodiversitätsfreundlicher zu produzieren.
[1] Quelle: FONAP: „SPIRAL (Small Producer Inclusive Resilience Alliance) bringt Mühlen, Händlerinnen, Käuferinnen und Kleinerzeugende zusammen, um die Zusammenarbeit zu stärken, den Marktzugang zu verbessern und resiliente, kohlenstoffarme Lieferketten aufzubauen.“
Beispiel: Verantwortungsvolle Holzwirtschaft - Zusammenspiel von Mensch und Natur
Eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung kann die Degradierung des Waldes als Lebensraum verhindern und damit einen Teil zum Erhalt der Biodiversität beitragen. Zertifizierungssysteme, die strenge Anforderungen an die Bewirtschaftung von Wäldern stellen, können eine nachhaltigere Waldnutzung fördern und so Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen. Deren Siegel ermöglichen Verbraucher:innen, sich für Produkte sowohl aus einer umwelt- als auch sozialverträglicheren Waldbewirtschaftung zu entscheiden sowie Wälder mit ihrer hohen Biodiversität zu schützen.
Im Sinne eines verantwortungsvollen Handelns hat EDEKA deshalb in Zusammenarbeit mit dem WWF alle Eigenmarken aus Holz, Papier, Tissue auf zertifizierte Holzrohstoffe umgestellt. Auch fast alle Eigenmarkenverpackungen aus Pappe, Papier und Zellstoff konnten sukzessive auf zertifizierte Rohstoffe umgestellt werden.
Das Zertifizierungsniveau wird beständig weiterentwickelt, auch in Zusammenarbeit mit anderen Marktteilnehmern.
Unsere Mitgliedschaft im Verein „Food for Biodiversity“
Der Verein „Food for Biodiversity“ vereint Akteure des Lebensmittelsektors mit dem Ziel, die biologische Vielfalt entlang der Agrarlieferkette zu schützen. Im Mittelpunkt steht die Förderung, Wiederherstellung und der Erhalt der Biodiversität in der Lebensmittelproduktion. Die Mitglieder des Vereins unterstützen dazu landwirtschaftliche Betriebe bei Biodiversitätsschutzmaßnahmen, integrieren Biodiversitätskriterien in Beschaffungsrichtlinien und fördern Forschungs- und Pilotprojekte. Durch Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildungen für Akteure der Lebensmittelwirtschaft leistet der Verein zudem notwendige Aufklärungsarbeit und setzt sich für biodiversitätsfördernde politische Rahmenbedingungen ein.
Interessante Themen aus dem EDEKA-Verbund
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Landwirtschaft für Artenvielfalt
EDEKA unterstützt das Programm „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ – zusammen mit WWF und Bio-Anbauverbänden wie dem Mitbegründer Biopark und Bioland. Teilnehmende Landwirt:innen setzen auf ihren Betriebsflächen Maßnahmen um, die Lebens- und Rückzugsräume sowie Nahrungsangebote für ausgewählte Tier- und Pflanzenarten in der Agrarlandschaft fördern sollen. Grundlage des Programms bildet ein Katalog aus verschiedenen Naturschutzmaßnahmen. Diese basieren auf wissenschaftlichen Untersuchungen des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung. Zu den Maßnahmen zählen etwa die Schaffung von Feldvogelinseln und Blühflächen sowie die Anpassung von Mahdzeitpunkten an Brutzeiträume von Bodenbrütern.
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Bananenprogramm
Seit 2014 setzen EDEKA und der WWF mit einem Projekt im Bananenanbau ein weiteres Zeichen für mehr Nachhaltigkeit – und dies bewusst im konventionellen Anbau. Die Produktionsbedingungen werden seitdem Schritt für Schritt umwelt- und sozialverträglicher gestaltet. Zum Beispiel werden Schutzzonen zwischen Anbauflächen und Ökosystemen eingerichtet und aufgeforstet, um diese vor Einflüssen von Pflanzenschutzmitteln zu schützen und Rückzugsorte für Wildtiere zu schaffen. Weiter wird für die Arbeiter:innen der Zugang zu sauberem Trinkwasser garantiert und die Arbeiter:innen zu ihren Rechten geschult.
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Zitrusprojekt
EDEKA und der WWF arbeiten gemeinsam daran, den konventionellen Anbau von Orangen und Mandarinen weiterzuentwickeln. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt. Dazu gehören unter anderem der Verzicht auf Herbizide zwischen den Baumreihen, die Anlage begrünter Randstreifen sowie die Schaffung zusätzlicher Lebensräume auf ausgewählten Farmen. Zudem wurden Nistkästen und Sitzstangen für Greifvögel installiert. Zwischen 2019 und 2024 schlüpften dort nach Projekterhebungen über 300 Küken von Schleiereulen, Turmfalken und Steinkäuzen.
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Die Kakaoinitiative „Cocoa For Future“
Mit der Kakaoinitiative „Cocoa For Future“ fördert EDEKA gemeinsam mit Partnerorganisationen den Aufbau von Agroforstsystemen im Kakaoanbau. Dabei werden Schattenbäume und Nutzpflanzen wie Avocados, Bananen und Kokosnüsse in bestehende Kakaoparzellen integriert und Kakaobäuer:innen zu Themen wie Baumpflege und die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln geschult. Agroforstsysteme können zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen, die Bodenbedeckung verbessern und zur Stabilisierung lokaler Ökosysteme beitragen. Ergänzend unterstützt die Initiative Familien und lokale Gemeinden durch Maßnahmen wie Spar- und Kreditgruppen, Systeme zur Prävention und Identifizierung von Kinderarbeit und zur Stärkung der Geschlechtergleichstellung.